Die Schachtanlage Konrad 1 im Morgennebel.

Bis 1976 wurde hier Eisenerz gefördert.

Auf der anderen Seite des Salzgitter Stichkanals: Schacht Konrad 2.

Ein provisorischer Förderturm steht über dem Abwetterschacht,

der bisher die Grube entlüftet und als Fluchtweg für den Notfall gedient hat.

Über ihn werden nach Fertigstellung des Endlagers die radioaktiven Abfälle nach unter Tage transportiert.

Bis es soweit ist, müssen einige Teile des Grubengebäudes, insbesondere die beiden Schächte, saniert

und Schacht 2 für den späteren Einlagerungsbetrieb vorbereitet werden.

Schacht Konrad wird ein Endlager für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung.

Diese umfassen die schwachradioaktiven und einen Großteil der mittelradioaktiven Abfälle.

Abfall, der in erster Linie aus deutschen Kernkraftwerken und Forschungsreaktoren stammt,

wo er seit 40 Jahren im laufenden Betrieb erzeugt wird und der auch bei ihrem Abriss anfällt.

Abfall, der sich bis heute in oberirdischen Zwischenlagern, wie hier in Karlsruhe, befindet.

Im Vergleich zu den hochradioaktiven Abfällen enthält er nur 0,1 Prozent der anfallenden Radioaktivität.

Vom Volumen her macht er jedoch mehr als 90 Prozent der Abfallmenge aus.

Gebrauchsgegenstände, wie Schutzanzüge oder Verpackungsmaterial,

werden durch ihren Einsatz in der Kerntechnik kontaminiert und zu radioaktivem Abfall.

Auch Anlagenteile aus dem Rückbau von Atomkraftwerken oder Forschungsreaktoren

müssen aufwändig entsorgt werden, weil deren Oberfläche kontaminiert ist.

Im gezeigten Zwischenschritt wird der Abfall zunächst in Fässer verpackt

-und das Volumen wie mit einer Schrottpresse reduziert.

Das zusammen gepresste kontaminierte Material wird wiederum in Fässern eingeschlossen.

Vorbereitung für die Endlagerung in Schacht Konrad.

Einige Anwohner reagieren mit Zeichen des Protestes gegen das Endlager.

Ablehnung und Verunsicherung in der Region.

Konrad wirft viele Fragen auf.

Welcher radioaktive Abfall kommt wirklich nach Konrad?

Werden wir die Müllkippe Europas?

Mehr als zwanzig Jahre wurde die Eignung des Bergwerks als atomares Endlager erforscht.

Immer wieder wurden die Eignung und die Rechtmäßigkeit von Konrad bestritten.

Etwa 290.000 Einwender brachten ihre Bedenken gegen das geplante Endlager Konrad

im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens zum Ausdruck.

Diese wurden öffentlich während des 75 Tage dauernden Erörterungstermins diskutiert.

Die Ergebnisse wurden – wo möglich - im Hinblick auf die spätere Genehmigung berücksichtigt.

2002 wird die Genehmigung - der so genannte Planfeststellungsbeschluss -

vom Niedersächsischen Umweltministerium für die Errichtung und den Betrieb des Endlagers Konrad erteilt.

Die zukünftigen Anlagen auf Schacht 2.

Gegen Grundwasser und den über dem Bergwerk liegenden Stichkanal Salzgitter

ist die Grube durch eine bis zu 400 Meter dicke tonhaltige Deckschicht abgedichtet.

In der Nähe von Schacht 2.

Mehr als 800 Meter tief unter der Erde

werden die ersten Einlagerungskammern mit Hilfe großer Teilschnittmaschinen aufgefahren.

Auf einen Kammerquerschnitt von 42 Quadratmetern

arbeitet sich die Maschine rund zehn Meter pro Tag in das Gestein hinein.

Bis zu 800 Meter lang werden die Einlagerungskammern in das Eisenerz geschnitten.

Hier werden die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle - verpackt in Containern - später endgelagert werden.

Bevor die Fässer mit dem radioaktiven Abfall nach Konrad gelangen,

werden sie zusätzlich in Stahlcontainer verpackt.

Mittelradioaktive Abfalle kommen in Betonwandcontainer, um die höhere Strahlung abzuschirmen.

Vor dem Transport zum Endlager werden die Container mit Beton vergossen.

Die gesetzlichen Grenzwerte für verpackten radioaktiven Abfall

müssen an der Außenwand des Containers eingehalten werden.

Bei dieser Messung erreicht die direkte Gammastrahlung ein Hundertstel des Grenzwertes.

Die Strahlung wird durch den Beton und die Containerwand reduziert.

Vollständig lässt sie sich nicht abschirmen.

Mit zunehmendem Abstand sinkt sie stark ab und ist schließlich kaum noch messbar.

Die Region um das Endlager.

Ein Blick in die Zukunft.

Pro Woche erreichen durchschnittlich zehn Lkw mit je einem Container

sowie 20 Eisenbahnwaggons mit bis zu 40 Containern das Endlager.

Die Abfälle sind so fest eingeschlossen,

dass bei einem Unfall keine unzulässige Freisetzung radioaktiver Stoffe erfolgen kann.

Für den Straßen- und Schienentransport gelten strenge Grenzwerte.

Die Strahlendosis an der Waggonoberfläche darf maximal 2 Millisievert pro Stunde betragen.

Im Abstand von zwei Meter darf sie nur noch 0,1 Millisievert pro Stunde,

also ein Zwanzigstel des Wertes betragen.

In der Praxis wird die Dosis nach Berechnungen voraussichtlich nur bei 0,03 Millisievert pro Stunde liegen.

Doch auch wenn man vom gesetzlichen Grenzwert ausgeht,

ist nach rund 30 Meter ein so niedriges Niveau erreicht,

wie es der kosmischen Strahlung bei einer Flugreise entspricht.

Über einen neuen Gleisanschluss und eine neue Zufahrtstraße

sollen die Abfälle schließlich das Endlager erreichen.

Die Umladehalle.

In ihr darf sich immer nur eine begrenzte Anzahl von Transportfahrzeugen befinden.

Selbst bei einem Flugzeugabsturz oder einem terroristischen Anschlag

können keine gravierenden radiologischen Folgen eintreten.

Ein 30-Tonnen-Brückenkran hebt die Abfallgebinde vorn LKW oder Waggon

auf die für den Schachttransport konstruierten Plateauwagen.

Bei der Gebindeeingangskontrolle wird geprüft,

ob die angelieferten Container die Annahmebedingungen erfüllen.

Über einen Scanner werden Containerdaten erfasst und diese mit den Begleitpapieren abgeglichen.

Anschließend folgt mit einem sogenannten Wischtest

die Überprüfung der Containeroberfläche auf mögliche Kontaminationen.

In einem dritten Schritt wird die Strahlung, die sogenannte Ortsdosisleistung, gemessen.

Nur einige hundert Meter von der Umladehalle entfernt liegt das Dorf Bleckenstedt.

Von hier aus wird man später die Anlage sehen.

Doch eine relevante Strahlendosis ist nur in unmittelbarer Nähe von Umlade- und Pufferhalle messbar.

Sie darf den Grenzwert von 1 Millisievert pro Jahr nicht übersteigen.

Würde sich eine Person tatsächlich ein ganzes Jahr lang dort aufhalten,

wäre die Belastung immer noch weit unterhalb des gesetzlichen Grenzwertes.

Beim Umladebetrieb anfallende Abwässer werden zunächst auf dem Gelände gesammelt.

Erst wenn sie "frei gemessen" sind, dürfen sie in den Vorfluter, das Flüsschen Aue abgeleitet werden.

Nutzungseinschränkungen für die Landwirtschaft und die dort erzeugten Nahrungsmittel bestehen nicht.

Der Kontakt der radioaktiven Abfälle zur Biosphäre

kann nur durch die Lagerung in tiefen geologischen Formationen langfristig verhindert werden.

Das gewährleistet die bis zu 400 Meter dicke Tonschicht über den Einlagerungsstätten.

Um dort Risiken zu minimieren, zum Beispiel Brände verhindern,

findet der Transport unter höchsten Sicherheitsbedingungen statt.

Je Arbeitsschicht können 17 Container nach unter Tage transportiert und eingelagert werden

- bei Einschichtbetrieb also rund 4000 im Jahr.

Im Eingangsbereich der Einlagerungsstrecken

übernimmt ein Stapelfahrzeug den Container vom Transportwagen.

Bis die Einlagerung des für Konrad vorgesehenen Abfalls abgeschlossen ist,

wird es mehrere Jahrzehnte dauern.

Rund 7.000 Container lagern allein z.B. im Zwischenlager in Karlsruhe.

Bis zum Jahr 2040 erwartet man bundesweit eine Abfallmenge,

die etwa 50.000 solcher Container füllen würde.

Für diese Menge ist Konrad zugelassen.

Permanent zerfallen in den Containern bestimmte Atome, die Radionuklide.

Die direkte Gammastrahlung wird bereits im Container größtenteils zurückgehalten.

Sie kann die Ton- und Gesteinschichten nicht durchdringen.

Jedoch können in geringen Mengen gasförmige radioaktive Partikel in die Abwetter gelangen.

Eine solche Freisetzung wird über ein Messsystem im Abwetterkanal ständig gemessen und kontrolliert.

Über Tage registrieren im Umfeld der Umladeanlage Sonden kontinuierlich die aktuelle Ortsdosisleistung.

Zur größtmöglichen Sicherheit über und unter Tage werden die Strecken abschnittsweise verfüllt.

Jeder Abschnitt wird mit einer Betonwand abgeschlossen und dann mit Material,

das bei der Schaffung des Hohlraums anfällt und zu Beton verarbeitet wird, verfüllt.

Der radioaktive Abfall ist dann nicht mehr rückholbar, aber gegen Freisetzung gesichert.

Sind alle Abschnitte einer Strecke gefüllt, wird sie komplett verschlossen.

Nach Ende des Einlagerungsbetriebs werden Schacht 1 und 2 verfüllt.

Modellrechnungen haben ergeben, dass fossile Wässer aus der Entstehungszeit der Gesteine

im Bereich des Endlagers langsam in Richtung Nordosten wandern könnten.

Eventuell mitgeführte radioaktive Stoffe würden dabei weiter zerfallen.

Frühestens nach etwa 300.000 Jahren könnten - so die ungünstigste Annahme -

die Wässer an der Erdoberfläche austreten.

Sie wären dann nur noch geringfügig belastet.

Soweit der Blick in die Zukunft.

Was wohl bleiben wird, ist ein Unbehagen, das Endlager unter sich zu wissen, aber auch die Gewissheit,

durch Hunderte Meter Ton- und Gesteinsschichten geschützt zu sein.